Samstag, 6. Oktober 2007

Die Fanmeile.

Mein Ticket für die Bahnen der Stadt ist mit dem Ende des letzten Monats ausgelaufen, das Geld für eine neue Karte will ich vorerst sparen, und so sitze ich nun mehr oder minder in meinem kleinen Randbezirk im Nordosten fest. Für längere Strecken bleibt mir immer noch die Wahl auf das Fahrrad, das ich seit Ewigkeiten aus dem Keller hervor geholt und entstaubt habe. Jetzt, so kurz vor dem Winter. [Kopfschütteln] An zwei Tagen nutzte ich es in dieser Woche schon. Für insgesamt 60 Kilometer.
Am Tag der Einheit bin ich damit zum Brandenburger Tor gefahren. Menschenmassen. Menschen über Menschen. Soviele, laut Nachrichten über eine halbe Million, wie es sie seit einem Jahr nicht mehr auf einem Haufen gab. Und was war vor einem Jahr? Selbstverständlich die Weltmeisterschaft, das Sommermärchen, die ultimative Fanmeile am Brandenburger Tor. Fanmeile. Ein schreckliches Wort, das ich nicht mehr hören kann, nicht mehr hören will. Doch wann kapieren die Veranstalter und Organisatoren großer Feste endlich, dass die WM in Deutschland endgültig vorbei ist, es sie so nie wieder geben wird [zum Glück], und die Leute es satt haben, auf eine Fanmeile zu gehen?! Fanmeile. Meile. Kilometer. Wenn schon, dann Fankilometer. Aber warum überhaupt Fan? Wenn deutsch, dann richtig. Fan. Noch so ein anglizistisches, amerikanisiertes Wort. Und um ehrlich zu sein, mir fällt auf Anhieb keine deutsche Entsprechung ein. Im guten alten Duden steht dazu "begeisterter Anhänger". Aber das lässt sich mit "begeisterter Anhänger Kilometer" wirklich schwer aussprechen. Von dem Sinn und der Deutung ganz zu schweigen. In meinem englischen Wörterbuch finde ich die Übersetzung "Fan, Liebhaber, Verehrer". Das passt doch schon besser. Liebhaber ist zu speziell, zu romantisiert, aber Verehrer klingt angenehm. Damit ließe sich die Fanmeile in gutem klassischem Deutsch mit Verehrerkilometer übersetzen. Verehrerkilometer. Verrückt. Wenn man das hört, könnte man geradewegs glauben, es handele sich um eine kilometerlange Straße, links und rechts, Schulter an Schulter gespickt mit Verehrern. Männlichen Verehrern? Also Männern, die vermutlich ein und dieselbe oder verschiedene Frauen verehren? Vielleicht ganz bestimmte Frauen? Dann wäre also Verehrerkilometer das Pendant zum Straßenstrich. Irre. Verrückte, deutsche Sprache...

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krass. junge. glückwunsch.
krass. junge. glückwunsch.
meliterature - 24. Sep, 19:45
Na klar, immer alles...
Na klar, immer alles meins. ;-) Ich schau mal bei dir...
pinolino - 14. Sep, 14:34
deins? hmm. lange nicht...
deins? hmm. lange nicht mehr mit gedichten beschäftigt....
meliterature - 14. Sep, 08:47

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Buch: "An meine Liebe"


Gedicht: "Vogel von der Trauerweide"


Kurzgeschichte: "Jugendliebe"

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