Montag, 12. November 2007

Geschafft.

Ich habe es geschafft.
Ich habe geschafft.
Und nun bin ich geschafft.

Seit erstem November bin ich glücklicher Inhaber einer Arbeitsstelle. Trotz einiger fehlender Unterlagen meinerseits ging es dann plötzlich doch ganz schnell. Denn ich wartete schon seit einem Monat darauf, dass es endlich los ginge. Es haperte aber am Nachweis meines letzten Arbeitszeugnisses und meines Diploms. Zwei Tage vor dem ersten November kam dann der Anruf. Ich sagte sofort zu und habe nun immerhin schon die ersten sieben Tage Arbeit hinter mir gelassen. Ein merkwürdiges Gefühl ist es schon. Endlich dort angekommen, wo andere schon vor zehn Jahren ihre Arbeitsstelle aufnahmen, während ich mit dem Abi, dem Bund oder Studium beschäftigt war. Nicht mehr in einer Schule lernen zu müssen. Nur noch Woche für Woche für guten Lohn arbeiten zu gehen. Keine Semesterferien mehr. Nur die Wochenenden plus einige Urlaubswochen im Jahr frei zu haben. Der Gedanke bis ans Ende der Tage zu schuften und zu schuften ist auf gewisse Weise erschreckend. Aber andererseits auch befreiend. Denn keine plagenden Prüfungen mehr, keinen extremen Stress beim Lernen. Die Freizeit frei für Dinge, die einen interessieren. Und trotzdem mischt sich die Frage darunter, ob das nun alles gewesen sein soll? Oder doch erst der Anfang einer steilen Karriere? Aber wohin? Mit welchem Ziel? Es gibt kein großes Ziel mehr, das ich mir vor Augen halten kann. Und ohne dieses, frage ich mich, worauf ich zusteuern soll? Wohin soll es gehen, wenn da nicht etwas ist, was es zu erreichen lohnt? Im Leben ist es doch meist so: Ziel festlegen, darauf hin arbeiten, das gesteckte Ziel erreichen, den Lohn der Mühen genießen, kurz verschnaufen, und dann wieder von vorn beginnen mit einem neuen Ziel vor Augen.
Eine Sache gibt es ... eines was wirklich noch fehlt, ist das zweisame. Eine Sehnsucht. Eine Gemeinsamkeit zweier Menschen. Aber die läßt sich, egal ob mit oder ohne Fleiß, nicht einfach finden, sondern ist einfach da oder nicht. Und solange sie nicht da ist, kann man ja nur die Augen offen halten. Hoffen auf gut Glück? Schicksal? Fügung? Wie auch immer, nur nicht dem Warten müde werden...

Sonntag, 11. November 2007

Schneefall.

Schneefall

Als ich heute morgen aufwache, tröpfelt es leise auf das Fensterbrett. Es regnet, denke ich, und drehe mich noch einmal zur Seite, nur um nicht sofort in das Sonntagsgrau aufstehen zu müssen. Doch als ich mich dann endlich zwinge, mein Bett zu verlassen, meine Brille auf die Nase schiebe und aus dem Fenster blicke, ist das Grau einem Weiß gewichen. Unaufhörlich rieselt es von oben herab und bleibt auf Wiesen, Bäumen und Wegen liegen. Der erste bleibende Schnee [wenn auch nur für ein paar Stunden] für diesen Winter, nachdem gestern schon ein kräftiger Sturm aus Regen, Graupel und Schnee für Überraschung sorgte. Ich glaube fast, dass diesmal ein richtig kalter und langer Winter vor der Tür steht.

Sonntag, 4. November 2007

Vogel von der Trauerweide.

Es saß einmal ein alter Mann
Bedrückt am Trauerweidenbaum,
Sich fern des Glücks von einst besann,
Erstrahlte es in jedem Raum.

Er dachte an die guten Tage,
An jene, welch' sein Herz geliebt,
Doch überfiel ihn Schmerz und Klage,
Als nun er fortan einsam blieb.

Mit mattem Haupt und tief gesenkt
Verweilt' er ewig auf der Bank,
Dort unter'm Baum, von Angst bedrängt,
Und wurde liebeskränker krank.

Da sang ein Vogel von der Weide,
So hell und fein, er scheute nicht,
Sprach zu ihm Mut, trotz dessen Leide,
Denn wenn du liebst, so lieb auch dich.

Samstag, 3. November 2007

Wanderungen.

Wolfgang Büscher: Berlin-Moskau
Diejenigen, die mich schon eine Weile kennen, wissen genau, dass ich eine gewisse Zuneigung für Russland, insbesondere Moskau, empfinde. Und so bekam ich vor einiger Zeit von einer guten Freundin das Buch "Berlin-Moskau" geschenkt. Es ist in der Spiegeledition als Sonderausgabe erschienen und ist von vielen Seiten stets gelobt worden.
Ich las das Buch, nachdem ich aus Moskau zurückgekehrt war, und war besonders begierig darauf, wie es ist, wenn man die Strecke von Berlin nach Moskau zu Fuß zurücklegt und welche sonderbaren Begegnungen mit Menschen dabei erleben kann. Der Autor Büscher hat sich in dieses Abenteuer gestürzt, nur mit einem Rucksack und etwas Geld in der Hosentasche. Leider beginnt für mich das Buch etwas zäh, da bei seinen Wanderungen durch die Länder Deutschland und Polen fast immer nur der Krieg im Vordergrund steht. Der Autor läuft den Weg, den auch die Gefangenen und Verschleppten im Weltkrieg gegangen sind. Es tauchen für meinen Geschmack zuviele historische Fakten und Fragen auf, die die Stimmung der Wanderung nicht so gut einfangen können. Es wirkt so, als wäre nicht die Wanderung und die Begegnung mit Menschen die Hauptsache, sondern die Verarbeitung der Erlebnisse der deutschen Geschichte.
Je näher aber Büscher seinem Ziel Moskau kommt, und bald durch Weißrussland und die russische Förderation wandert, desto interessanter werden die kleinen Geschichten von der Straße und den dort lebenden Menschen. Aber der Hälfte des Buches kann man endlich den Geist des Wanderers fühlen, man wirkt wie beflügelt und schafft es dann im Fluge bis zur letzten Seite. Moskau.
Die Entfernung der Reise betrug etwa 2000 km. Berlin-Moskau. Fast vollständig zu Fuß, nur selten mit einem Hilfsmittel, wie Auto oder Zug, zurückgelegt. Und als hätte Büscher noch nicht genug von der Wanderung, endet er mit dem Satz: "Was machen wir jetzt?". Wer könnte ihn nicht verstehen?

Andreas Altmann: 34 Tage, 33 Nächte
Nachdem ich "Berlin-Moskau" gelesen hatte, war ich auf den Geschmack gekommen und wollte mehr davon verzehren. Wandern. Wandern. Erleben. Und da erinnerte ich mich, dass ich unlängst ein anderes Buch erstanden hatte, das auch eine solche Wanderung beschrieb. Nur in diesem von Paris nach Berlin.
Altmann ließ sich von seinem Verleger dazu bringen, dass er die Reise vollständig ohne Geld meistern müsse. Aber war es ihm erlaubt, sich, auf welche Weise auch immer, etwas zu verdienen oder auch zu erbetteln. Im Laufe der Reise sammelt Altmann seine Erfahrungen, die ihm zu bedeuten geben, was es heißt, ohne Geld auszukommen. Auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen zu sein, die einem oft untersagt wird. Allein schon wegen des äußeren Erscheinungsbildes. Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist mit seine Schilderung einer Begegnung in Deutschland. Altmann landet irgendwo in einem kleinen Dort, es regnet aus Eimern, er ist völlig durchnäßt. Auf der zweifelhaften Suche nach einem trockenen Schlafplatz landet er in einer Scheune, in die er sich hinein geschlichen hat. Doch dann wird er dort von jungen Frau, einer Studentin entdeckt. Doch anstatt ihn schimpfend fortzujagen, bietet sie ihm so viel Gegenliebe, dass einem der Atem stockt. Sie versorgt ihn vor Ort in der Scheune mit Essen aus dem Haus ihrer Eltern. Zu später Stunde kommt sie dann mit einem Auto zurück, bittet ihn einzustiegen und fährt zu ihrer eigenen kleinen Wohnung. Er darf in ihrer Wanne baden und in ihrem Bett schlafen. Es klingt tatsächlich wie ein Märchen. Und dann taucht auch noch der Freund von ihr, ich glaube sie hieß Anne, dann taucht also noch der Freund von Anne auf und hat größtes Verständnis, dass dieser geschundene Fremde in dem Bett seiner Freundin schläft.
Sprachlich ist Altmann nicht ganz so gewandt wie Büscher. Oft werden die Begebenheiten sehr skizzenhaft gezeichnet und die Formulierungen wiederholen sich stark. Knappe Sätze folgen einander wie in einem Notizbuch. Und manchmal, mit Verlaub, wirkt die Schreibweise gar arrogant. Aber trotzdem war es eine gute Geschichte, mit einem leider ziemlich mauen Ende. Denn das Erreichen des hochgelobten, gepriesenen Berlins, der erhoffte Stolz über die vollbrachte Leistung geht in der Aufzeichnung eines Interviews unter. Immerhin, die Bilanz ist beachtlich: "Nach 1863918 Schritten, nach siebzehn Blasen, nach 217 Pumps, nach 3647 verlorenen Gramm Körperfleisch, nach 34 Tagen und 33 Nächten... bin ich am Ziel."

Michael Holzach: Deutschland umsonst
Nach diesen beiden Geschichte wollte ich alles wissen und begab mich auf die Suche nach Wanderliteratur. Schnell wurde ich fündig, gibt es doch so einige. Nur in Europa nicht allzu viele. So gab es eine Wanderung von München nach Paris, deren Buchauflage jedoch nahezu ausverkauft war und für rund 100 Euro hätte erstanden werden können. Zuviel für meinen Geldbeutel. Aber dann stieß ich auf Michael Holzach und "Deutschland umsonst".
Holzach wanderte in den 80er Jahren von Hamburg nach München. Zu Fuß und ohne Geld durch ein Wohlstandsland. Zu Zeiten des geteilten Deutschland. Doch er macht seine Reise nicht allein, sondern mit einem Hund namens Feldmann, den er aus einem Tierheim holt. Die Wanderung mit Holzach ist so plastisch und aufregend geschrieben, dass sie von diesen drei Geschichten hier für mich ohne Frage die herausragendste ist. Der Autor besucht Stätten und Städte, die sein Leben geprägt haben, von der Kindheit, Jugend, Armee bis zum damaligen heute. Stets begleitet von seinem treuen Gefährten Feldmann. Durch lustige und bizarre Situationen. Und zum Ende schließt sich der Kreis. Holzach wandert von München, dort wo sein Mutter lebt, zurück, weil er kein Geld mehr für den Fahrschein nach Hamburg hat.
Recherchen über den Autor ergaben, dass Holzach bei dem Versuch, seinen Hund Feldmann aus einem Fluss zu retten, stirbt. Der Hund überlebt. Holzach ertrinkt, weil er nicht schwimmen konnte.

Freitag, 2. November 2007

Aufgeschnappte Worte.

In der Zwischenzeit sind mir immer wieder einige Worte unter die Finger gekommen, die entweder einen interessanten Klang besaßen oder deren Bedeutung mir nicht völlig klar war. Und um diesem Abhilfe zu leisten, habe ich mir meinen alten Duden geschnappt und die Begriffe nachgeschlagen. Was für exotische Exemplare der deutschen Sprachen darunter sind, mag jeder im foldenden selbst herausfinden.

  • B
    • benedeien - segnen
  • D
    • darben - Not, Hunger leiden
  • F
    • formidabel - furchtbar, großartig (Bsp. formidable Erkenntnis)
  • G
    • Graffel - österr. ugs. für Gerümpel
    • grindig - schorfig (Bsp. grindige Haut)
  • H
    • Harm - Kummer, Leid
  • I
    • infam - ehrlos, niederträchtig
  • K
    • Knute - Lederpeitsche
    • knuten - knechten, unterdrücken [wenn das Eisbär Knut wüßte!]
  • M
    • musivisch - musivische Arbeit bedeutet eingelegte Arbeit oder Mosaik
  • R
    • Runzeln - Falten
  • S
    • scheel (ansehen) - mißgünstig, geringschätzig (ansehen)
    • schrundig - rissig (Bsp. schrundige Lippen)
    • somnambule - schlafwandelnd, mondsüchtig
    • Staps - ungelenker Bursche
    • stupend - erstaunlich
    • sublim - erhaben
  • V
    • verderbt - verdorben
    • verfemen - für vogelfrei erklären, ächten
    • vergaffen - sich verlieben
    • vermaledeien - verfluchen
    • verplätten - verprügeln
    • verpimpeln - verzärteln [und was bedeutet verzärteln? etwa verhätscheln? war im Duden nicht erklärt]
    • verschnappen - sich verplappern
  • Z
    • zach - geizig, zaghaft, zäh
    • zag - scheu
    • ziselieren - in Metall einarbeiten

Donnerstag, 1. November 2007

Liebesäpfel.

Liebesäpfel

Mittwoch, 31. Oktober 2007

bestandsaufnahme.

dunkel     dunkel     hell       dunkel     blau       hell       dunkel
hell       dunkel     hell       hell       dunkel     dunkel     hell
grün       blau       dunkel     hell       dunkel     dunkel     blau

zu         zu         zu         kipp       zu         auf        zu
auf        zu         kipp       zu         zu         kipp       zu
zu         auf        zu         zu         kipp       zu         kipp

schlafend  ruhend     kochend    schlafend  flimmernd  redend     blickend
schauend   knutschend lesend     hörend     ruhend     hörend     kochend
schmusend  flimmernd  wartend    lernend    schlafend  küssend    schlafend
 
eins       zwei       drei       vier       fünf       sechs      sieben
acht       neun       zehn       elf        zwölf      dreizehn   vierzehn
fünfzehn   sechzehn   siebzehn   achtzehn   neunzehn   zwanzig    einundzwanzig

f          e          n          s          t          e          r

Dienstag, 30. Oktober 2007

Sonntagsfahrt.

Am Sonntag bin ich einfach mal raus gefahren. Es war gar nicht geplant gewesen. Ich war erst zum Essen bei meinem Eltern. Da ich spät dran war, bin ich die kurze Strecke auch gleich mit dem Auto gefahren. Und dann, nach dem Mittag, wollte ich nicht sofort wieder nach Hause. Mein Auto hatte schon Monate nur Kurzstrecken zurückgelegt und so sollte ihm auch eine Spazierfahrt gegönnt werden. Ganz getreu dem Motto "wer rastet, der rostet". Was im Falle von Autos sehr zutreffend ist.
Ich hatte aber kein Ziel vor Augen, bin einfach nur raus aus der Stadt, Richtung Osten. Immer weiter. Haupstraße. Schnell weg. Bis ich dann irgendwo mal abgebogen bin. In kleinere Straßen. Landstraßen. Schmal gebaut, holprig, vom Frost zerfressen. Gerahmt von alten Bäumen am Straßenrand. Eichen. Linden. Obstbäume. Ich fuhr stetig langsamer, um all die Eindrücke wahrnehmen zu können. Der sprichwörtliche Sonntagsfahrer.
Die Sonne kämpfte sich allmählich durch die Wolkendecke und vertrieb den letzten Rest von Trübsal. Die Aussichten auf den blauen Himmel, das Farbspiel der Blätter, das niedrige Licht, der Rausch über das Land auf nahezu leeren Nebenstraßen war so betörend, dass es fast unmöglich war, mich vollständig auf die Straße zu konzentrieren. Überall gab es schöne kleine Dinge zu entdecken, und als ich es letztlich nicht mehr aushalten konnte, suchte ich mir einen Platz auf einem Feldweg, stellte mein Auto ab und sprang in die Natur.
War das eine reine Luft zu atmen. Pilzgeruch. Weite Wälder und Felder. Endlos. Freiheit. Ein kleiner Seetümpel als dunkler Fleck in die Landschaft getupft. Schnatternde Enten auf dem Wasser. Kleines und großes zwitscherndes Gefieder in den Lüften.
Man konnte und musste regelrecht alles in sich hinein aufsaugen. Und ich hätte mir in diesem Moment gewünscht, eine Staffelei, eine Leinwand, Farben und Pinsel zu haben. Ich hätte mich sofort auf die gelbe Butterblümchenwiese gestellt, die merkwürdigerweise zu dieser Zeit noch blühten, und hätte alles für die Ewigkeit eingefangen. Ein Moment für die Ewigkeit.

Montag, 29. Oktober 2007

Sonnenlicht.

Sonnenlicht

Es ist abends. Die Sonne sendet ihre rötlichen Strahlen auf die Gebäude nieder, die in einem besonders majestischen Antlitz erscheinen. Menschen genießen diese Stunde, am liebsten in trauter Zweisamkeit, da sie aus der blauen eine romantische macht. So wie hier, wo das Theater in Potsdam zu märchenhaftem Glanz erleuchtet wird...

Sonntag, 28. Oktober 2007

Zwei Uhr nach Mitternacht.

Manch einer mag sich jetzt fragen, was an dieser Uhrzeit so besonderes sein sollte. Und dem ein oder anderen wird auffallen, dass heute in der Nacht die Zeitumstellung von 3 zurück auf 2 Uhr erfolgte. Bei diesem Gedrehe an der Uhr frage ich mich dann manchmal, warum dies alles? Alles zu dem Zweck, am Anfang des Sommers einen Zeitsprung in die Zukunft zu machen und am Ende des Oktobers einen Sprung in die Vergangenheit und damit der doppelte Genuss einer satten Stunde? Wäre es nicht wahrlich interessant, um nicht zu sagen erfreulich, wenn man dann all das, was in jener Stunde geschehen ist, genauso noch einmal erleben würde?
Aber ich wollte nicht zu weit abschweifen von der eigentlichen Betrachtung dieser fraglichen Uhrzeit. Denn in meinem Haus, in dem ich wohne, passieren, zumindest ist es mir in den letzten Nächten besonders aufgefallen, immer um zwei Uhr nach Mitternacht ganz neue, ungewöhnliche Dinge. Wer sich fragt, warum ich zu dieser späten oder gar frühen Stunde nicht unlängst im Bett liege, dem sei gesagt, dass sich mein Tages/Nachtrhythmus allmählich nach hinten verschoben hat, und ich mich meist erst zwischen 1 und 2 schlafen lege und frühestens 11 Uhr aufstehe. Nachwehen des Studentenlebens könnte man sagen, die hoffentlich [oder auch nicht?] nicht mehr allzu lange andauern, denn bald könnte der Arbeitsalltag, das echte, harte Leben, Schaffen für Geld von Montag bis Freitag, beginnen.
Nun, da ich um 2 Uhr gerade im Bett liege und mich hin und her wälze, um eine günstige Schlafposition zu finden, letzte Gedanken des Tages in Erinnerung gerufen werden, die mich erst langsam in den Traum entlassen, höre ich urplötzlich Geräusche. Stimmen über mir. Es dringt ganz klar von oben durch die hellhörigen Wände. Eine weibliche Stimme. Jauchzend. Schreiend. Japsend. Ekstasisch. Und nach dreißig Sekunden wieder verebbend. Ich strenge mein Gehör an. Lausche. Das soll es schon gewesen sein? Kein Laut mehr. Ja, das muss es wohl gewesen sein.
Natürlich soll es vorkommen, dass Menschen in vergnügter Zweisamkeit ihren Spaß treiben. Dagegen ist nichts einzuwenden. Doch mich wundert nur, dass es so plötzlich, auf einmal fast jede Nacht geschieht. Und da drängt sich einem die Frage auf, ob meine Nachbarin von oben einen Freund hat? Zwei Jahre wohne ich jetzt hier, und von oben her war es immer still. Ganz im Gegenteil. Wenn ich mal etwas auf meiner Gitarre zupfte, und es schon später nach 22 Uhr war, brauchte ich nicht lange warten, schon klopfte es dreimal kräftig gegen die Heizung. Habe verstanden. Nachtruhe.
Naja, ich bin mir nicht mal ganz sicher, ob überhaupt eine Frau über mir wohnt. Zumindest stand ich logischer Weise noch nie vor ihrer Tür. Aus welchem Grund auch? Wenn man in der vierten Etage wohnt, kommt man zwangsläufig nicht durch die fünfte. Selbst dann nicht, wenn man die Treppe benutzt. Trotzdem hatte ich eine gewisse Ahnung, dass dort eine Frau lebt, denn ein einziges Mal ist sie mir, so glaube ich, auf der Treppe begegnet. Es war im Winter, es muss der letzte oder vorletzte gewesen sein, und da war sie nicht allein. Sie hatte eine Freundin dabei. Und irgendetwas in mir sagte, dass die beiden zusammen gehören, ein Paar sind, vielleicht sogar ein lesbisches. Selbstverständlich war das einfach vom Himmel gegriffen, es gab keine wirklichen Anzeichen dafür, aber es setzte sich so in meinem Kopf fest. Und an diesem einen Tag, an dem ich sie traf, war es draußen eisig glatt. Ihre Freundin, eine pummelige, um nicht zu sagen recht dicke, lief forschen Schrittes und dann geschah es. Beide Frauen, nur wenige Meter vor mir und mit einem Mal rutscht die Dicke mit einem riesigen Plumps aus und landet genau mit dem Hintern auf dem Boden. In gewisser Hinsicht eine komische Situation, aber aus eigener Erfahrung weiß ich, enorm schmerzhaft. Da ich sofort zur Stelle war, fragte ich, ob ich ihnen beim Aufstehen helfen könne, ob alles in Ordnung sei? Die Dicke winkte nur ab, biss sich sichtlich auf die Lippe, um den Schmerz zu unterdrücken, und wimmerte da recht hilflos auf kaltem Boden. Sie wollte lieber einen Augenblick sitzen bleiben, sich von Schreck und Schmerz erholen. Ich konnte also nichts weiter tun und ging meinen Weg. Die Nachbarin von oben half dann ihrer Freundin. Und seitdem habe ich die Nachbarin auch nicht wieder gesehen.
Ja, ich habe mir sogar schon einen Plan ausgedacht, um einen Vorwand zu haben, ihr zu begegnen, oder wenigstens heraus zu finden, ob sie oder wer tatsächlich über mir wohnt. Und zwar wollte ich einen Kuchen backen, und während des Vorgangs die Treppen nach oben gehen und an ihrer Tür klingeln, unter dem Vorwand, dass mir der Zucker ausgegangen sei, um sie zu fragen, ob sie mir etwas Zucker in ein Glas füllen könne. Zum Dank hätte ich dann später, nach dem Backen, ein zweites Mal an ihrer Tür klingeln können, um ihr ein Stück Kuchen vorbei zu bringen oder im besten Fall sogar mit ihr Kaffee zu trinken. Denn meine Nachbarin von oben ist durchaus eine attraktive Frau. Zumindest so, wie ich sie in Erinnerung habe.
Vor zwei Nächten ächzte sogar das Bett. Wieder 2 Uhr. Aber diesmal kein Liebesspiel. Es quietschte, als wälze sie sich schlaflos hin und her, genau über meinem Kopf. Mir kam der Gedanke, dass sie bei einstürzender Decke geradezu auf mir landen und meinen Schädel zertrümmern würde. Ein makaberer, unwirklicher Gedanke, den ich sofort hinweg wischte. Indessen wandelten sich die Geräusche vom Quietschen zu einem Tapsen. Sie musste wohl gerade durch die Wohnung gelaufen sein, hatte sicherlich etwas getrunken, das Fenster wurde geschlossen, ich hörte es am lauten zuklappen, ja tatsächlich, es muss vorher sogar nur angeklappt gewesen sein. Dann wieder einige Schritte. Momente der Stille. Beendet durch das Betätigen der Wasserspülung auf der Toilette. Tapsen. Quietschen. Wälzen. Ruhe.
Und wer nun glaubt, dass sei das einzige, was man in diesem Haus durch die Wände hören kann, der kennt dieses Haus nicht und hat sich mächtig getäuscht. Da gibt es gleich die alte Oma neben mir. Die alte Oma und ihre alte Uhr. [womit wir auch wieder beim Thema wären] Diese alte Uhr hat einen wunderbaren Gong, einen Schlag zu jeder halben Stunde, die Anzahl der Uhrzeit zu jeder vollen. Aber das wäre eine ganz neue Geschichte...

Liebesschmerz.

Tränen rollen, Bäche fließen,
Augen brennen, Blitze schießen,
Stechen mitten in mein Herz.
Zu befreien und beschließen,
Zu ertragen und begießen -
Bittersüßer Liebesschmerz.

Freitag, 26. Oktober 2007

Lesekreis.

Ich bin mit der S-Bahn unterwegs, um zu unserem kleinen Lesekreistreffen zu fahren. Lesekreis mag jetzt etwas überzogen klingen, dahinter verbirgt sich nur ein kleiner Kreis von Literaturbegeisterten. Momentan sind wir sechs Personen an der Zahl. Eine angenehme Größe. Wir treffen uns einmal im Monat, meist in unterschiedlichen Kneipen oder Restaurants, diskutieren über das aktuelle Buch und bestimmen dann für das nächste Mal ein neues.

Dieses Mal findet das Treffen aber bei jemandem zu Hause statt. Ein weiter Weg für mich, quer durch die Stadt, von Marzahn bis nach Steglitz. Ich habe mehr als eine Stunde eingeplant und bin überrascht, dass ich mit Erreichen des S-Bahnhofs Friedrichstraße noch viel zu viel Zeit habe. Wie ich es mir in solchem Fall angewöhnt habe, schlendere ich kurzweilig zum Buch- und Zeitungsladen. Vor dem Geschäft stehen wie immer die Tische, auf denen man einige reduzierte Exemplare finden kann. Da ich erst vor kurzem hier war, erkenne ich schnell, dass es nichts zu holen gibt. Nur ein flüchtiger Blick auf die Buchrücken. Und dann blitzt doch etwas auf. Ein bekannter Name. Eine neuerliche Entdeckung. Dostojewski.
Das Buch trägt einen weinroten Umschlag, auf der Vorderseite ein nicht entzifferbares Gekritzel in goldener Schrift. Auf dem Rücken der Titel "Aufzeichnungen aus einem Totenhaus". Preis 3,50 EUR. Ein dickes Buch. Über 800 Seiten. Ich hadere einen Moment, kann mich nicht für oder wider entscheiden. Der Titel klingt mir ungreifbar, zu langweilig, zu unlebendig. Beim Durchblättern entdecke ich aber, dass nicht nur diese Aufzeichnungen, sondern noch drei weitere Erzählungen oder Kurzromane enthalten sind. Und neugierige Blicke eines hochgezogenen Mannes lugen über meine Schulter auf den Buchtisch. Ich bilde mir ein, exakt auf jene Stelle, an der soeben noch mein Dostojewski stand.

Mit dem weinroten Buch unterm Arm sitze ich nun in der S1 und setze die Fahrt nach Steglitz fort. Ich besitze keine Tüte, auch keinen Rucksack, in den ich es hätte verstauen können, und meine Jackentaschen sind für das dicke Buch zu klein. So halte ich es in meinen Händen, mal in der linken, mal in beiden, lege es auf den Schoß, versuche zu widerstehen, sofort mit dem Lesen zu beginnen. Kann es aber letztlich doch nicht unterlassen, und beginne aus Interesse mit dem enthaltenen Lebenslauf Dostojewskis am Ende des Buches. Zwischendurch blicke ich immer wieder auf, sehe mich um, ob mich jemand beobachtet, gerade so, als hielte ich etwas Verbotenes in der Hand. Daumen und Zeigefinger liegen unter dem Rücken, verdecken den Titel. Beim Aussteigen schließe ich das Buch, fahre mit den Fingern über den Umschlag meines kleinen Schatzes, stecke es mir unter den Arm, und bin stolz, diesen überraschenden Fund gemacht zu haben.

Ray Bradbury: Fahrenheit 451
Zum Treffen gibt es selbstgemachte vegetarische Pizza und rote Grütze mit Sahne und Eis. Beides äußerst vortrefflich und dem Gaumen schmeichelnd, bevor wir uns den literarischen Freuden zuwenden.
Aber ich muss ehrlich zugeben, dass unser letztes ausgewähltes Werk von Ray Bradbury mit "Fahrenheit 451" nicht gerade ein Leckerbissen war. Zweien gefiel das Buch recht gut bis zuweilen hervorragend, aber den anderen Vieren, mich eingeschlossen, eher mäßig bis schlecht. Und in diesem Fall kann es auch nicht an einer schlechten deutschen Übersetzung gelegen haben, da einige von uns den Roman im Original gelesen hatten.
Für mich beginnt das Werk ziemlich holprig mit seitenweise aneinander geklatschten Metaphern und herbeigezogenen Vergleichen, als wollte der Autor zeigen, was er bildlich auf dem Kerbholz hätte. In meinen Augen jedoch völlig überladen, so dass ich irgendwann die Nase voll hatte von den nicht enden wollenden Aufzählungen mit x aneinander gereihten Metaphern zu ein und derselben Bebilderung. [etwa der Form: Die Nacht war dunkel, wie die Höhle des Löwen ohne Licht, wie die Sonne ohne Feuer, wie das Ende eines ewig währenden Abschieds, wie... wie... wie...]
Die Geschichte an sich hätte ganz interessant werden können, ist aber oft sehr bruchstückhaft, Handelsstränge enden im Nichts, werden nicht weiter ausgeführt. Dabei ist die Idee ganz interessant. Eine Zukunftswelt, in der jeglicher Besitz und Konsum von Büchern verboten ist, in der die Feuerwehr nicht mehr die Aufgabe hat, Brände zu löschen, sondern ganz im Gegenteil, Brände zu legen, um gefundene Bücher samt Haus und Habe des Besitzers zu verbrennen.
Auf jeden Fall muss man zugestehen, dass die geschilderte Zukunftsvision aus den 50er Jahren heute im Punkt der Medien und riesigen TV-Wände erschreckend nahe ist. Jedes Haus ist bestenfalls mit einem Raum, der komplett aus vier Medienwänden besteht, ausgestattet. Auf den Wänden flimmern unzählige Programme, genannt die "Familie", selbstverständlich interaktiv, auf jeden Besitzer persönlich zugeschnitten. Die Tätigkeit der in solchen Häusern lebenden Menschen scheint dann nur darin zu bestehen, in diesem Raum auszuharren, und über die Wände, völlig sozial abgeschottet, mit dem Rest der Welt, oder dem davon übrigen, zu kommunizieren. Mit dem offenbaren Ergebnis der allmählichen Verdummung.
Zusammengefasst könnte dieses Buch für Fans der Science-Fiction-Literatur durchaus lohnenswert sein. Für mich persönlich war es einfach zu platt, zu holprig, zu unrealistisch.

Zum Ende des Lesekreistreffens legen wir die neue Lektüre fest. Ich bringe meinen Vorschlag von Dostojeswskis "Weiße Nächte" ein, der sogar einspruchsfrei angenommen wird. Zuvor lesen wir aber noch "Das fliehende Pferd", weil wir gerade den Film dazu im Kino gesehen hatten.
Auf dem Rückweg fahren wir zu viert gemeinsam mit der U-Bahn und dann weiter auf dem Ring nach Ostkreuz. Kaum nehme ich in der U-Bahn Platz, steht jemand aus dem Nebenabteil auf und kommt auf mich zu. Ich sehe das Gesicht, weiß sofort, dass ich ihn kenne, aber erst nach einigen Augenblicken kann ich es zuordnen. Ein Mitreisender der Moskaufahrt vom vergangenen März. Er erzählt, dass er gerade von der Uni kommt. Und dass es ihn nächstes Jahr im Sommer wieder nach Osten zieht. Dann in die Ukraine als Aufsichtsperson einer Jugendreisegruppe. In diesem Moment muss ich leider die Bahn mit zwei anderen aus dem Lesekreis verlassen und auf die Ringbahn umsteigen.
Ab Ostkreuz lege ich die letzten vier Stationen allein zurück. Ich eile durch den Fußgängertunnel in Springpfuhl. Ein einzelner Mann kommt mir entgegen. Schwarze Lederjecke. Ich denke, dass er Russe sein könnte, versinke in meinen Gedanken. Als er neben mir ist, spricht er mich an, und die Worte, die aus seinem Mund quellen, sind russische Worte. Ich stehe verdutzt da, bis ich merke, dass es nur ein russischer Akzent mit einer Frage war. Ich nicke und antworte mit ja.

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Oktober.

Städter eilen durch die Straßen
Trieb der Einsamkeit bezwingt,
Wenn die Kälte vor den Mänteln
Unter Haut und Leder dringt.

Wolken walzen über Häuser,
Hoch wie Türme steh'n sie starr,
Fest verankert, alles dreht sich,
Nur ein Fenster klappert da.

Regen prasselt gegen Scheiben,
Schirmchen biegen sich gar krumm,
Könnt' ich nur ein Stück verweilen,
Und Entfliehen vor dem Sturm.

Montag, 22. Oktober 2007

Kleiner Gruss.

Zitternd schreiben meine Hände,
Kritzeln auf das Blatt Papier,
Ein paar Worte, die ich sende,
Einen Gruß an dich von mir!

Sonntag, 21. Oktober 2007

Abendlich(t).

Abendlicht

Der abendliche Blick aus meinem Fenster überrascht manchmal mit romantischen Stimmungen. Vor der untergehenden Sonne, zwischen den schwarzen Häuserfronten, lässt sich der Fernsehturm als Stecknadelkopf erspähen...

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Irrlichter kommentieren

krass. junge. glückwunsch.
krass. junge. glückwunsch.
meliterature - 24. Sep, 19:45
Na klar, immer alles...
Na klar, immer alles meins. ;-) Ich schau mal bei dir...
pinolino - 14. Sep, 14:34
deins? hmm. lange nicht...
deins? hmm. lange nicht mehr mit gedichten beschäftigt....
meliterature - 14. Sep, 08:47

Leselichter

Lichterscheinungen

An meine Liebe
Buch: "An meine Liebe"


Gedicht: "Vogel von der Trauerweide"


Kurzgeschichte: "Jugendliebe"

Suche

 

Status

Online seit 6397 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 24. Mär, 12:40

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur f�r neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page

twoday.net AGB


erblickt
erdichtet
erheitert
erlebt
erlesen
erleuchtet
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren